Aus dem Möbelwagen

Kalle, Resi und die gesparte Halteverbotszone

Aus dem Leben

Kalle kannte seine Straße. Zwölf Jahre wohnte er jetzt hier. Er wusste, wer wann wegfuhr und wer wann wiederkam.

„Und die Halteverbotszone?“, hatte Resi bei der Besichtigung gefragt. „An beiden Adressen?“

„Die sparen wir uns“, hatte Kalle entschieden. „Am Tag vorher stellen wir unsere zwei Autos vor die Tür und die Mülltonne dazu. Fertig. Kostet nix.“

„Kalle.“

„Schatzi. Zwölf Jahre.“

Resi hatte geseufzt und die Zone bestellt. Nur für die neue Adresse.

Am Sonntagnachmittag, als die halbe Straße beim Ausflug war, war es so weit. Kalle parkte sein Auto vor die Haustür, Resi ihres davor, und hinter Kalles Auto rollte er die große schwarze Tonne vom Haus, die mit dem Deckel wie ein Garagentor.

„Montag ist Tonnentag“, erklärte er zufrieden. „Da wundert sich keiner.“

Am Montag um halb acht trug Resi den Gummibaum zum Auto. Danach die vorgepackten Taschen von der Garderobe, vollgepackt mit Glühbirnen und Dübeln für die neue Wohnung. Um halb neun war dort die Übergabe mit dem Vermieter, Zählerstände, Schlüssel, Protokoll. Sie gab Kalle einen Kuss und fuhr los. Vor dem Haus war jetzt eine Lücke. Eine Autolänge.

„Wer parkt denn um halb acht?“, sagte Kalle und setzte Kaffee auf. „Da gehen doch alle zur Arbeit.“

Keiner ging zur Arbeit, weil Urlaubszeit. Aber einer kam. Um zwanzig vor acht stand ein weißer Kastenwagen in Resis Lücke, rückwärts eingeparkt, ratzfatz.

Kalle flog die Treppe hinunter, in Hausschuhen.

„Das ist reserviert!“

Der Mann stieg aus, einen Werkzeugkoffer in der Hand, und schaute die Straße rauf und runter. Kein Schild. Nur ein Auto, eine Mülltonne, ein ehemals freier Parkplatz und Kalle in Hausschuhen.

„Für wen?“

„Für den Umzug! Um acht kommt der Lastwagen!“

„Wo steht das?“

„Das sieht man doch!“, rief Kalle empört und zeigte auf die Tonne. Dann richtete er sich auf, mit so viel Würde, wie ein Mann in Hausschuhen eben haben kann. „Ich wohne seit zwölf Jahren in dieser Straße.“

Der Mann schaute auf die Hausschuhe. Dann auf die Tonne. „Na, hätten Sie halt eine Halteverbotszone gestellt.“ Er ging ins Nachbarhaus. Bad sanieren, bis heute Abend.

„Es soll auch Ar……mleuchter geben auf dieser Welt!“, dachte Kalle.

Hinter Kalle bog die Müllabfuhr in die Straße. Zwei Männer in Orange sahen die große Tonne am Straßenrand und taten, was sie jeden Montag taten. Einhaken, hoch damit.

KAWUMM! KAWUMM! KAWUMM!

Dann rollten sie die Tonne ordentlich zurück in den Hof, wo sie hingehörte, und nickten Kalle freundlich zu. Kalle schob die leere Tonne wieder in die Lücke. Gar nicht so einfach mit Schlappen.

Um acht bog der Umzugswagen um die Ecke. Der Fahrer hielt in zweiter Reihe, Warnblinker an, und schaute sich die Lage an. Kastenwagen, Kalles Auto, dahinter die Tonne, dann die Einfahrt.

„Fahren Sie Ihr Auto weg, dann geht’s grad so.“

Kalle griff in die Hosentasche. Leer. Dann fiel es ihm ein. Halb acht, Resi mit dem Gummibaum auf der Treppe, die braune Handtasche an der Garderobe. Handy rein, Schlüssel rein.

„Der Schlüssel ist in der Handtasche von meiner Frau.“

„Dann rufen Sie sie an.“

„Das Handy auch.“

Der Fahrer hielt ihm seins hin. Kalle nahm es und starrte auf die Tasten. Resis Nummer war gespeichert. In seinem Handy.

Der Fahrer schaute in den Spiegel, auf den Lieferwagen, der hinter ihm hupte. „Ich stell mich um die Ecke. Aber das wird dann länger dauern.“

Hundertzwanzig Meter. Gar nicht so viel.

Als der Wagen dort stand, fingen die zwei Umzugsleute an. Rollbrett für Rollbrett, hundertzwanzig Meter hin, hundertzwanzig Meter zurück. Kalle stand an der Haustür und zählte mit. Er hatte ja sonst nichts zu tun, ohne Handy.

In der neuen Wohnung schrieb Resi jeden Kratzer ins Protokoll. Um zwölf sollte der Umzugswagen kommen. Kurz vorher trug sie den Gummibaum hinauf und leerte ihre alte braune Handtasche. Glühbirnen. Dübel. Ein Autoschlüssel, nicht ihrer. Ein Handy, auch nicht ihres.

Um Viertel vor eins hielt ihr kleines rotes Auto mit Warnblinker vor dem Haus. Resi stieg aus, ließ die Tür offen und hielt den Schlüssel hoch.

„Schatzi“, sagte sie. Ganz ruhig. Viel zu ruhig. „Suchst du den?“

„Der war in deiner Handtasche! Warum hast du das nicht früher bemerkt?“, protestierte Kalle.

„In der alten, Kalle. Die braune hab ich seit drei Jahren nicht mehr umgehängt.“

„Woher soll ich wissen, welche Tasche du gerade hast?“

Er schnappte sich den Schlüssel, schob die Tonne zur Seite, setzte sich ins Auto und fuhr es aus der Lücke. Platz! Bis zur Einfahrt! Er winkte zur Ecke hinüber.

Der Fahrer kam um die Ecke, ein leeres Rollbrett in der Hand, und schaute auf die Lücke. „Jetzt brauchen wir den Platz auch nicht mehr. Sind nur noch dreimal laufen.“

Resi schaute ihm nach, und man konnte zusehen, wie sie rechnete.

„Wie oft waren die unterwegs?“

„Sechzig Mal“, sagte Kalle. „Ungefähr.“

„Mal zweihundertvierzig Meter. Das sind über vierzehn Kilometer, Kalle. Für die zwei. Mit Schrank, Waschmaschine und Sofa. Weißt du, was so ein Trageweg kostet?“

„Die haben doch Rollbretter“, murmelte Kalle.

„Ungefähr das Drei- bis Vierfache von der Halteverbotszone, die du dir gespart hast!“

„Schatz …“

„Karlheinz!!“

„Theresia“, verteidigte sich Kalle lautstark, „sonst ist auch hier mehr Platz!“

„Ja, und nachts ist es kälter als draußen!“, biss Resi zurück.

Darauf wusste Kalle nichts mehr.

Um eins fuhr der Umzugswagen los. Resi vorneweg, Kalle hinterher. In der neuen Straße standen zwei Halteverbotsschilder. Der Umzugswagen setzte einmal zurück, Ladebordwand runter, zwei Meter bis zur Haustür. Um 17:30 Uhr war alles drin. Viel schneller als beim Einladen, bemerkte Resi resigniert.

Abends saßen sie auf dem Balkon der neuen Wohnung, zwischen zwei Kartons BAD, und aßen Leberkässemmeln aus der Tüte. Unten standen noch die Schilder.

„Theresia?“

Resi kaute.

„Theres. Die Schilder da unten. Die sind schön.“

„Das sind Halteverbotsschilder, Kalle.“

„Schöne Halteverbotsschilder.“

Resi lachte nicht. Nun ja, beinahe.

„Ja, und so nützlich“, kicherte sie.

Kalle nickte und wischte sich den Senf vom Kinn.

„Resi“, sagte er dann, „beim nächsten Umzug bestell ich die Schilder. Gleich bei der Besichtigung. An beiden Adressen.“

„Du?“

„Ich.“

Resi lehnte sich an ihn und sagte den Satz, den nach einem Umzug jeder sagt, so wie nach einer Feier „nie wieder Alkohol“.

„Schatzi, wir ziehen nie wieder um.“

Was wir daraus lernen können, wenn wir wollen, mit Tipps zur Halteverbotszone

Kalle wollte sich die Halteverbotszone sparen. Gespart hat am Ende keiner, gelaufen sind zwei Männer dafür vierzehn Kilometer mehr. Mit diesen fünf Punkten steht der Umzugswagen bei Ihnen dort, wo er hingehört.

  1. Sprechen Sie die Halteverbotszone gleich bei der Besichtigung an, für die alte und die neue Adresse. Wir richten sie vor Ihrer Haustür ein, damit der Wagen direkt vor dem Eingang stehen kann.
  2. Denken Sie früh daran. Die Zone wird bei der Gemeinde beantragt, und manche Städte brauchen dafür Wochen, Augsburg zum Beispiel mindestens 21 Tage.
  3. Halten Sie den Platz nicht selbst frei. Mülltonnen, Stühle oder Absperrband auf der Straße sind nicht erlaubt, und ein geparktes Auto hält die Lücke nur so lange, bis es wegfährt.
  4. Rechnen Sie nach. Muss der Wagen weit weg stehen, kostet der längere Trageweg schnell das Drei- bis Vierfache der Halteverbotszone.
  5. Behalten Sie Autoschlüssel und Handy am Umzugstag selbst bei sich. Die wichtigsten Telefonnummern stecken Sie zusätzlich auf einem Zettel ein, auswendig weiß sie heute kaum noch jemand.

Halteverbotszone, Packhilfe oder die Frage, wo der Wagen am Umzugstag stehen kann, all das besprechen wir bei der kostenlosen Besichtigung.

Fragen zur Halteverbotszone? Rufen Sie an unter +49 8248 8886588 oder schreiben Sie über das Kontaktformular.