Kalle hatte ein System. Es war im Kopf, und dort blieb es auch.
„Mach Fotos, bevor du was absteckst“, hatte Resi noch gesagt, schon in der Jacke, die Autoschlüssel in der Hand. Sie musste zu ihrer Schwester, zum Kinderhüten.
„Brauch ich nicht“, beschwerte sich Kalle lautstark.
„Kalle!!!!“
„Ich weiß, was wo drin war“, beschwichtigte Kalle seine Frau. Die seufzte.
Als die Tür ins Schloss fiel, legte Kalle los. Die Kabelbinder hinter dem Fernseher schnitt er mit der Küchenschere durch, alle. Ratzifatzi. Die Kabel wickelte er zu ordentlichen Ringen, einer sah aus wie der andere, und warf sie in einen Karton, auf den er KABEL schrieb. Die Netzteile kamen obendrauf. „Die sind eh alle gleich“, sagte er zu dem leeren Raum.
Die vier Schrauben vom Fernsehfuß legte er in einen leeren Joghurtbecher, damit sie nicht wegkamen, und den Joghurtbecher auf den Fenstersims.
Am Tag nach dem Umzug, in der neuen Wohnung, war Kalle allein mit dem Karton. Resi wollte einkaufen und was zum Beißen besorgen. Der große Fernseher stand auf seinem Fuß, ohne Schrauben nur aufgesteckt, und neigte sich bei jeder Berührung ein kleines bisschen nach vorn. Davor lagen noch die Sofakissen auf einem Stapel, die Umzugsleute hatten sie dort abgelegt. Resi wollte sie gleich richtig auf der Couch verteilen, war aber nicht dazu gekommen. Kalle nahm das erste Netzteil mit rundem Stecker, der Stecker passte, der Fernseher zeigte sein Logo. Dann ging er aus. Dann zeigte er wieder sein Logo. Dann ging er wieder aus.
„Update“, sagte Kalle.
Die vier Lautsprecherkabel nahm er, wie sie aus dem Karton kamen. Vorne reichten sie mühelos, hinter dem Fernseher blieben zwei dicke Schlaufen übrig. Hinten reichten sie nicht mal bis zur Sofalehne. Also stellte er die hinteren Boxen auf den Boden, mitten hinter das Sofa, mit dem Gesicht zur Wand.
„Raumklang“, sagte Kalle.
Den Laptop von Resi steckte er auch gleich an, mit dem Netzteil von seinem alten Laptop. Weil er ja mitdachte.
Um halb neun kam Resi mit zwei Pizzen. Der Fernseher zeigte gerade sein Logo.
„Schatzi, wieso geht der dauernd an und aus?“, fragte Adlerauge Resi.
„Der macht ein Update.“
„Seit wann?“
„Seit sieben.“
Resi stellte die Pizzen ab, zog das Netzteil aus der Buchse und drehte es um. „Zwölf Volt.“ Sie zeigte auf das Schild hinten am Fernseher. „Der will neunzehn.“
„Schatz, das ist genormt. Rund ist rund“, verteidigte sich Kalle.
Hinter dem Sofa knisterte es. Resi beugte sich über die Lehne. „Warum stehen die Lautsprecher auf dem Boden?“
„Raumklang. Das ist Absicht“, hielt Kalle den genervten Fragen seiner Frau stand.
„Die Kabel sind zu kurz.“
„Die sind genau richtig. Vorne ist sogar noch was übrig“, entgegnete Kalle trotzig.
Resi sagte nichts mehr, holte das Maßband aus der Werkzeugkiste und maß. „Die hier haben eins fünfzig. Hinten brauchst du drei Meter. Die langen hast du vorne angeschlossen, Kalle.“
„Der Klang kommt vom Platz, Resi, nicht vom Kabel“, sagte Kalle, wohl wissend, dass ihm Trotz jetzt auch nicht mehr weiterhelfen würde.
Resi wollte wenigstens die Mail vom Anbieter lesen, warum der Router rot blinkte, und klappte den Laptop auf, mit dem Handy als Hotspot. Unten rechts stand: Ladegerät zu schwach. Akku elf Prozent.
„Kalle. Welches Netzteil ist da dran?“
„Das, das gepasst hat?“, fragte Kalle vorsichtig.
„Das hat fünfundvierzig Watt. Meiner braucht neunzig.“
„Schatz, der Stecker passt doch!“
„Der Stecker schon. Das Netzteil nicht!“
Der Akku sprang auf zehn Prozent. Resi las schneller. Kalle erklärte ihr, dass der Router in der neuen Wohnung wahrscheinlich eine andere Frequenz brauche, dass man das von außen gar nicht sehen könne und dass er das schon hinkriege, wenn sie ihn nur mal machen ließe.
„Karlheinz!“
Es wurde still im Zimmer. Nur hinter dem Sofa knisterte es leise, mit dem Gesicht zur Wand.
„Theresia“, sagte jetzt auch Kalle etwas angefressen, „ich habe das System im Kopf!“
Er drehte sich zum Fernseher um, um ihr die Buchsen zu zeigen, die richtigen, die aus seinem Kopf, und legte die Hand oben auf den Rahmen. Der Fuß gab nach. Der Fernseher kippte langsam nach vorn, sehr langsam, und dann auf einmal gar nicht mehr langsam. Es gab einen Knall, dass die Pizzakartons hüpften. Der Fernseher lag mit dem Bildschirm nach unten auf dem Stapel Sofakissen. Auf den Kissen! Zwanzig Zentimeter weiter, und er hätte auf den Fliesen gelegen.
Keiner sagte etwas. Hinter dem Sofa knisterte der Raumklang.
Dann stand Resi auf, kippte den Karton KABEL auf den Teppich und setzte sich im Schneidersitz davor. Sie nahm jedes Netzteil, las das Schild, suchte das Gerät mit derselben Zahl und legte beides nebeneinander. Kalle sagte kein Wort. Er reichte ihr nur, was sie haben wollte. Er hatte verloren, und das wusste er.
Das Netzteil mit neunzehn Volt ging an den großen Fernseher, der jetzt mit dem Rücken an der Wand lehnte, zwei Kochbücher vor dem Fuß. Er lief beim ersten Versuch. Das mit den zwölf Volt ging an den kleinen im Schlafzimmer. Der lief auch. Die langen Kabel kamen nach hinten, die Boxen auf die Regale, wo sie hingehörten. Resis eigenes Netzteil lag ganz unten im Karton.
Die Mail vom Anbieter hatte sie bei neun Prozent noch geschafft. Der Anschluss wurde erst nächste Woche geschaltet. Der Router war nie kaputt gewesen.
Sie aßen die Pizza kalt, auf dem Sofa.
„Theresia?“
„Hm.“
„Theres?“
„Was.“
„Resi?“
Sie seufzte und hielt ihm das letzte Stück hin. „Ja, Schatzi.“
Kalle biss ab und kaute eine Weile. „Ich hätte das übrigens auch allein hingekriegt.“
Resi sah nicht einmal auf. „Karlheinz!“
„Ich hol morgen die Schrauben“, beeilte sich Kalle zu erwidern.
Die Moral aus der Geschichte, mit Tipps zu Kabeln und Netzteilen
Fast jede Panne an diesem Abend stand auf einem Typenschild oder ließ sich mit dem Maßband nachmessen, die letzte in einer Mail vom Anbieter. Nur hatte vorher keiner hingeschaut. Mit ein paar Minuten Vorarbeit beim Abbau bleibt Ihnen so ein Abend erspart:
- Fotografieren Sie jedes Gerät vor dem Abstecken von hinten, einmal von nah und einmal mit etwas Abstand.
- Lassen Sie jedes Netzteil bei seinem Gerät und schreiben Sie den Gerätenamen darauf. Gleicher Stecker heißt nicht gleiches Netzteil.
- Beschriften Sie Lautsprecherkabel mit ihrem Platz, also „vorne links“ oder „hinten rechts“. Sie sind selten gleich lang.
- Packen Sie je Gerät einen Beutel mit Kabel, Netzteil, Fernbedienung und Schrauben. Der Beutel reist mit dem Gerät, nicht in einem Becher.
- Schicken Sie sich die Fotos per Mail. Dann haben Sie sie auch, wenn das Handy im falschen Karton steckt.
Das Anschließen am Ziel bleibt Ihre Sache, das übernehmen wir nicht. Das Packen können Sie aber gern abgeben, sprechen Sie es bei der kostenlosen Besichtigung an.
Fragen zum Packen? Rufen Sie an unter +49 8248 8886588 oder schreiben Sie über das Kontaktformular.
