Geschafft.
Kalle und Resi ließen sich auf die Couch fallen, zwischen die Kartons, die noch nicht wussten, wo sie hinsollten. Der Tag war vorbei. Der Umzug war gut gelaufen, schneller als gedacht. Alle Teile waren heil angekommen, kein Kratzer an der Kommode, nicht mal ein Glas war zu Bruch gegangen.
„Ach, Schatzi“, seufzte Resi. „Das war eine gute Idee von dir, ein Umzugsunternehmen zu nehmen.“
„Hat sich gelohnt“, brummte Kalle zufrieden und streckte die Beine aus. „So schnell waren wir noch nie von A nach B.“
Eine Weile saßen sie still nebeneinander und hörten dem Kühlschrank beim Summen zu. Dann setzte sich Resi auf.
„Schatzi? Wo sind eigentlich meine Schmuckstücke?“
„Deine was?“
„Die Kette von Oma. Die Ohrringe. Die Uhr von meinem Vater.“
„Die hast du doch gepackt“, sagte Kalle.
„Ich? Die hast du gepackt!“
„Ach Quatsch. Du hast gesagt, um deinen Schmuck kümmerst du dich selbst.“
„Mach ich ja auch!“ Resi war aufgesprungen. „Ich hab extra gelesen, dass man Schmuck selbst transportiert. Er war in meiner Tasche. Ich bin ganz sicher.“
„In welcher Tasche?“
„In einer Tasche eben!“
„Dann hast du ihn aus Versehen in einen Karton gesteckt“, sagte Kalle, so ruhig, wie man nur redet, wenn man sich im Recht fühlt.
„Hab ich nicht!“
„Ich hab deinen Schmuck nicht angefasst. Das hab ich dir schon tausendmal gesagt!“
„Karlheinz! Jetzt hör auf, mich anzuschreien!“
„Ich schreie gar nicht!!!“, schrie Kalle.
Beide verstummten. Kalle sah beleidigt zur Seite, stand auf, zog den nächsten Karton heran und riss das Klebeband ab, mit einem Ratsch, der durchs ganze Wohnzimmer ging. Bücher flogen, ein Bügeleisen, ein Schneebesen. Resi sagte kein Wort. Sie drehte sich um und stampfte ins Bad. Die Tür fiel zu. Der Wasserhahn lief, extra laut, damit Kalle auch hörte, wie wenig sie sein Gewühle interessierte.
Kalle öffnete Karton um Karton. Er schüttelte Pullover aus, sah in jede Schuhspitze, kippte den Besteckkasten um. Nach einer Viertelstunde sah das Wohnzimmer aus wie ein Lager nach einem kleinen Erdbeben.
Dann ging die Badtür auf. Resi blieb stehen und sah auf den Berg aus Pullovern. Mittendrin kniete Kalle, einen Schuh in der Hand, in dem er gerade nachgesehen hatte.
„Nur Socken“, murmelte er.
Resi musste, ob sie wollte oder nicht, ein bisschen lächeln.
„Kalle?“
„Hm.“
„Wir suchen zusammen.“
Sie holte die Packliste aus der Jackentasche. Jeder Karton stand darauf, mit Nummer, sauber abgehakt beim Packen. Gemeinsam gingen sie die Liste durch. Bücher, Küche, Bad, Bettwäsche, Erste Nacht. Kein Schmuck. Kein Etui, kein Beutel, nichts.
Bei Karton Nummer vierzehn hielt Resi plötzlich inne.
„Moment. Meine braune Handtasche. Wo ist die?“
„Die mit dem Hang zum Verschwinden?“, fragte Kalle.
„Genau die. Die hab ich heute früh hinten ins Auto gelegt. Auf den Rücksitz.“
Sie lief nach unten und kam mit der Tasche zurück. Auf dem Esstisch kippte sie alles aus. Taschentücher, ein halbes Brötchen, ein Lippenstift, der Schlüsselbund, ein Kugelschreiber. Als ein halbes Warenhaus auf dem Tisch verteilt lag, die bittere Wahrheit. Kein Schmuck.
Kalle senkte die Stimme. „Meinst du, die Umzugsleute …?“
„Die?“, sagte Resi. „Kalle, die haben meine Wäscheschublade getragen wie ein rohes Ei. Nicht mal die Handtücher waren durcheinander.“
„Stimmt“, gab Kalle zu. „Der eine hat sogar das Bild gerade gerückt.“
„Eben.“ Resi nahm ihr Handy. „Ich schau trotzdem noch mal im Auto.“
Unten im Dunkeln leuchtete sie mit der Taschenlampe unter den Fahrersitz. Zwischen Staub und einem Kaugummipapier blitzte etwas. Die Kette von Oma. Daneben die Ohrringe. Und ganz hinten, an der Sitzschiene, die Uhr ihres Vaters.
Sie drehte die Handtasche um. Im Futter hatte sich über die Jahre ein Loch aufgetan, groß genug für eine Faust. Bei jeder Kurve war der Schmuck ein Stückchen weitergerutscht, bis unter den Sitz.
Oben im Hausflur wartete Kalle schon, den Schuh noch in der Hand.
„Karlheinz“, rief Resi und hielt die Uhr hoch.
„Ja, Schatz.“ Kalle war vorsichtig. Sie benutzte seinen vollständigen Namen.
„Wir haben alles richtig gemacht.“
„Was?“ Kalle war sichtlich verwirrt und etwas erleichtert, dass doch kein Sturm aufzog.
Resi lachte. „Das Loch flickst du.“
„Gleich morgen, Schatzi.“
Sie legte ihm die Uhr ihres Vaters in die Hand. „Heb du sie heute Nacht auf.“
Kalle sah die Uhr an. „Aber nicht, dass mir dann die letzte Stunde schlägt“, lachte er erleichtert auf.
Die Moral aus der Geschichte, mit einem Tipp zu Wertsachen beim Umzug
Kalle und Resi hatten alles gelesen und fast alles richtig gemacht. Der Tipp zur Geschichte ist kurz. Schmuck, Bargeld, Wertpapiere und wichtige Dokumente gehören nicht in den Umzugswagen. Dafür gibt es nach dem Gesetz keinen Haftungsschutz, nehmen Sie diese Dinge deshalb selbst mit.
Das schwere Schleppen können Sie gern abgeben, sprechen Sie es bei der kostenlosen Besichtigung an.
Fragen zum Umzug? Rufen Sie an unter +49 8248 8886588 oder schreiben Sie über das Kontaktformular.
